Dabei betont Leidinger zur kritischen Perspektive auf Geschichte:

„Problematische Aspekte in Biografien von Lesben, beispielsweise koloniales Engagement, rassistische, behindertenfeindliche sowie klassistische oder antifeministische Denkweisen und Publikationen, müssen genauso benannt werden wie homosexuellen-emanzipatorische oder feministische Aktivitäten. Nur so lässt sich aus Geschichte lernen und gemeinsam für eine bessere Zukunft streiten.“

 

Über das Portal lesbengeschichte.org

Das Portal umfasst rund 100 Texte in teilweise bis zu elf Sprachen (Schwerpunkt: Deutsch, Englisch, Spanisch, außerdem: Französisch, Niederländisch, Russisch, Finnisch, Türkisch, Portugiesisch, Rumänisch und Slowakisch) und bietet weitere lesben(film)historische Informationen. Das No-Budget-Projekt lebt ausschließlich vom freiwilligen Engagement der anfänglich vier, inzwischen 17 AutorInnen, 35 ÜbersetzerInnen, der Unterstützenden und der beiden Herausgeberinnen. 

Biografische Skizzen

Unter „biografischen Skizzen“, einem Herzstück des Portals, können rund 50 Porträts von Frauen/Trans* entdeckt werden, die frauen*bezogen lebten. Teilweise waren sie gesellschaftspolitisch oder subkulturell, manche – wie Johanna Elberskirchen (1864-1943) – feministisch und homosexuellen-emanzipatorisch engagiert.

Hintergrundbeiträge, Bildergalerie und aktuelle Informationen

 

Außerdem bietet der Internetauftritt Hintergrundbeiträge zu „Politik & Subkultur“, zu „Regionalgeschichte“ (inkl. Ausflugstipps) sowie zu „erinnern & gedenken“: 

  • Informationen über Gedenktafeln und Dokumentationen von Gedenkfeiern für lesbische Frauen.
  • Geografische und zeitliche Schwerpunkte der Beiträge liegen auf Deutschland und der Schweiz Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.

Weitere Rubriken ermöglichen das Stöbern in einer einschlägigen Zitatesammlung und in einer Bildergalerie mit Porträts und anderen Fundstücken.

Unter „Aktuelles“ sind Termine, Neuerscheinungen und erinnerungspolitische Debatten nachverfolgbar.

Lesben und Nationalsozialismus

Zu den Portalinhalten führt Christiane Leidinger aus:

„Kritische Geschichtsbetrachtung heißt auch, mit Mythenbildung aufzuräumen: Seit 2009 bauen wir den Bereich zu ‚Lesben und Nationalsozialismus’ aus. Damit wollen wir einerseits der Vorstellung entgegenarbeiten, Lesben seien systematisch mit einem entsprechenden Haftgrund in Konzentrationslagern interniert worden. Dieser Mythos hält sich ebenso hartnäckig wie andererseits die von schwuler und heterosexueller Seite vertretene Ansicht, Lesben seien in keiner Weise verfolgt worden. Deshalb fassen wir die zahlreich bestehenden Forschungslücken und zentralen Erkenntnisse zusammen, um eine differenzierte Sicht zu ermöglichen.“

Lesbenfilmchronik

Für den Filmbereich ergänzt Ingeborg Boxhammer:

„Die Website bietet seit Bestehen eine Lesbenfilmchronik, eine 440 Filme umfassende Liste deutschsprachiger (Ko-)Produktionen sowie Statistiken zur Quantität der Repräsentation im Film. Bislang gibt es keine vergleichbar umfassende Auflistung von Spielfilmen, mit der die explizit oder implizit dargestellte Anziehung zwischen Frauen berücksichtigt wird.“

Die beiden Portal-Bereiche Film und Geschichte sind durch zahlreiche interne Links miteinander verbunden – mögliche Ansatzpunkte, um sich auf den Seiten treiben zu lassen.

Wie Sie das Portal unterstützen können

Als wichtigstes Ziel für die Zukunft nennen die beiden Gründerinnen Ingeborg Boxhammer und Christiane Leidinger die aufwändige webseiten-technische Anpassung für mobile, aber auch weitgehend barrierefreie Nutzung und laden zur Mitarbeit ein: „Wir freuen uns über weitere Mitstreitende: Autor*innen, Übersetzer*innen, Webdesigner*innen, Kontaktvermittler*innen – und über Spenden in jedweder Höhe genauso wie über Anregungen und Hinweise. 

Internet:

Lesbengeschichte.org ist auch erreichbar unter
lesbengeschichte.de / lesbengeschichte.net / lesbengeschichte.lgbt

Informationen zu den Gründerinnen und Herausgeberinnen des Webportals:
  • Ingeborg Boxhammer, M.A., Historikerin, Filmkritikerin und freischaffende IT-Trainerin.
  • Dr. Christiane Leidinger, freischaffende Politikwissenschaftlerin, Politische Bildungsarbeiterin sowie Lehrbeauftragte an Hochschulen.
Letzte Publikation zum Webportal:

Leidinger, Christiane/Boxhammer, Ingeborg: „Lesbian like” Geschichte – Vom Wettstreit richtiger Bezeichnungen, Verdächtigungen, Lesbensex und einer Vermisstenanzeige. In: AutorInnenkollektiv Loukanikos (Hrsg.): History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Münster: edition assemblage 2015, S. 144-159.

Letzte gemeinsame Publikation zu Lesbengeschichte: 

Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane: Sexismus, Heteronormativität und (staatliche) Öffentlichkeit im Nationalsozialismus. Eine queer-feministische Forschungsperspektive auf die Verfolgung von Lesben und/oder Trans* in
(straf-)rechtlichen Kontexten. In: Schwartz, Michael (Hrsg.): Homosexuelle im Nationalsozialismus: Neue Forschungsperspektiven zu Lebenssituationen von lesbischen, schwulen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen 1933 bis 1945. Zeitgeschichte im Gespräch, Bd. 18. Institut für Zeitgeschichte München. München/Wien 2014, S. 93-100.

 lesbengeschichte.org

 

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