Kann das gehen? Wird sie nicht doch eifersüchtig werden? Es war alles besprochen, aber jetzt, als sich die Verwirklichung nähert, bekommt Kerstin Angst … und lenkt sich mit Träumen und Erinnerungen ab. Eine aufregende Liebesgeschichte zwischen Ost und West, zwischen Leipzig, Heidelberg und Oldenburg, zwischen Zweisamkeit und Polyamory. Zugleich über die jüngste deutsche Geschichte… 

 

LESEPROBE
Vorspann des Romans »Dreivariantencouch«

Liebste K, konnte mich gestern nicht mehr melden. Sorry. Hab großartige Frau getroffen. Du wärst auch hingerissen. Heiße Nacht. Verstehst schon. Kuss A

Kerstin starrte fassungslos auf das Display ihres Handys. Aber auch beim dritten Lesen wurde die Botschaft nicht verständlicher. Servierte Astrid sie da gerade ab? So nebenbei und per SMS? Das machten doch angeblich nur Teenager und Astrid wurde demnächst vierzig. Degradierte diese Nachricht sie hier beiläufig zur besten Freundin, die zur Komplizin amouröser Abenteuer gemacht wird?

Als hätten die vergangenen Monate nicht anderes versprochen. Monate, in denen Kerstin sich auf diese Frau eingelassen hatte wie auf keine andere zuvor. Vielleicht war das bloß wieder einer von Astrids Scherzen, der leider so ganz und gar nicht Kerstins Humor traf. Das konnte unmöglich ernst gemeint sein. Warum sonst der virtuelle Kuss am Ende? Oder etwa doch? Astrid hatte sie abserviert, wurde Kerstin langsam klar.

Sie atmete flach, vor ihren Augen flimmerte es. Kalte Wut stieg aus ihrem Bauch auf, brannte in der Kehle. Ihr war schlecht. Sie fröstelte. Astrid würde sich vermutlich totlachen, könnte sie sie hier so sehen. Fand offensichtlich gar nichts dabei. Fühlten sich so etwa die offenen Beziehungen an, die Astrid immer gepriesen hatte? Das setzte womöglich voraus, dass Kerstin diesen Brocken kommentarlos schlucken und alles wie bisher weitergehen würde. Sie war sich nicht sicher. Kerstin war sich in nichts mehr sicher. Außer in einem – sie wollte Astrid nicht verlieren. Hatte sie das etwa bereits? Oder würde sie sich am Ende selbst verlieren, wenn sie zu Astrids Bedingungen an der Beziehung festhielte?

Kerstins Stimmung war düsterer als der kalte graue Tag vor ihrem Fenster. Von einer Woche, die so miserabel begann, war nichts Gutes zu erwarten.

 

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