Amra entwickelt ihre eigenen Überlebensstrategien und wird, um sich etwas sicherer zu fühlen, zu Amir, einem jungen Mann, der sich wie viele andere auch, durch Müllsammeln über Wasser hält. Amras Freunde in Deutschland schmieden Pläne, um sie wieder zurückzuholen, können ihr aber auch keine Perspektive für die Zukunft bieten. Und als wäre das nicht Problem genug, muss Amra, da Amir, wie sich schon bald zeigt, nicht nur eine Verkleidung ist, die nach Gebrauch wieder abgelegt werden kann, sich mit der Frage nach ihrer sexuellen Identität auseinandersetzen.

Die Geschichte von „Amra und Amir“ verbindet zwei Themenschwerpunkte: (Trans)Gender und Abschiebepolitik

1. Die Praxis, in Deutschland geborene und aufgewachsene Kinder ausländischer Eltern mit dem Eintritt ins Erwachsenenleben einfach ins Herkunftsland der Eltern abzuschieben, was bis 2011 häufig der Fall war. Seit 2011 können Jugendliche und Heranwachsende zwischen 15 und 21 Jahren eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, wenn sie länger als acht Jahre in Deutschland leben und einen Schulabschluss oder eine Ausbildung aufweisen.
Aber noch immer gibt es Ausnahmen, sei es dass jemand dies nicht weiß und die Fristen versäumt oder wegen weniger Monate nicht in das Zeitfenster passt, oder dass die positive Integrationsperspektive nicht bescheinigt wird. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Jugendliche sich, wie die Kurdin Sultan Karayigit, die sich an verschiedenen friedlichen prokurdischen Demonstrationen und Veranstaltungen beteiligt hat, politisch unerwünscht engagieren, wenn sie schulische Probleme haben und keinen Ausbildungsplatz finden können oder wenn sie straffällig werden. „Jugendsünden“, falscher Umgang und schlechte Lebensbedingungen werden so schnell zu schicksalsschweren Geschehnissen, die, auch wenn die Betroffenen verursachte Schäden wieder gut gemacht, ihre Strafe verbüßt und aus dem allem gelernt haben, oder wenn sie vielleicht wie andere Jugendliche mit deutschem Pass, einfach ein wenig länger brauchen, um in Schule und Beruf ihren Weg zu finden, ihr Leben in ganz neue Bahnen lenken.

2. Zweiter Themenschwerpunkt ist Amra/Amirs Leben zwischen den Geschlechtern. Zunächst ohne sich Gedanken über ihre Geschlechtszugehörigkeit zu machen, lebt Amra als Jugendliche einfach, wie es ihr entspricht. Ein Mädchen, das sich nicht besonders feminin entwickelt, sich aber auch keine besonderen maskulinen Verhaltensweisen aneignet, wird aus der Not zum Mann. Sie erkennt bald, dass ihr dieses Leben zwischen den Geschlechtern mehr zusagt, als eine eindeutige Zuordnung zum Frau- oder Mannsein, wie dies von der Gesellschaft gefordert wird.

 

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