Bei baraka, dem Treffpunkt von LSBTI* mit Migrationserfahrungen, suchten seit Anfang des Jahres 75 Geflüchtete Kontakt und Unterstützung. Nahezu alle Anwesenden konnten über Kontakte zu schwulen Jugendlichen und Erwachsenen, zu Trans*-Personen und zu Frauenpaaren, die aus Afghanistan, Syrien, Albanien, Kirgisien und anderen Ländern Zuflucht in Deutschland suchen, berichten.

Cavid Nabiyev, LGBT-Aktivist aus Aserbaidschan, berichtete von dem Alltag in einer Unterkunft für Geflüchtete, von der Gleichgültigkeit mancher Mitarbeiter_innen und der Diskriminierung durch Mitbewohner_innen. Vertreter der Aidshilfe NRW berichten, das z.B. in Bayern Flüchtlinge zwangsgetestet werden. Aus Sicht der Prävention und Antidiskriminierungsarbeit von Aidshilfen ist die Missachtung auf personelle Selbstbestimmung hier nicht hinnehmbar. Die Traumatisierung von Flüchtlingen bildet keine Grundlage für eine etwaige positive Diagnose, zumal eine medizinische Versorgung nicht geregelt oder gewährleistet werden kann und unklar ist, ob Flüchtlinge aufgrund ihrer wechselnden Aufenthaltsorte überhaupt von ihrem Ergebnis in Kenntnis gesetzt werden können.

Aus den Erfahrungen und Erwartungen bildeten sich vier Themenfelder heraus, zu denen weiter gearbeitet werden muss. Alle Maßnahmen dienen der Vernetzung, dem Erfahrungsaustausch und der Unterstützung von LSBT-Aktivist_innen, damit Informationen und Hilfsangebote in NRW und besserkoordiniert und abgestimmt werden können.

Politik:

Ziel ist es, sowohl politischen Stellungnahmen zu formulieren, als auch konkrete Anträge zu formulieren, damit Ehren- und Hauptamtliche schnellstmöglich in den Communitys Ansprechpersonen bekommen, die fachlich und koordinierend bei Fragen zu LSBT helfen und LSBT-Flüchtlinge schnell und unbürokratisch unterstützen können.

Hilfe:

Es sollen sprachsensible Angebote geschaffen werden, damit LSBTFlüchtlinge schnell und unauffällig Hilfsangebote finden können. Wichtige Themen sind z.B.: Wohnraum, kompetente Anwält_innen, persönliche Kontakte, diskriminierungsfreie Dolmetscher_innen/Übersetzer_innen.

Sensibilisierung:

Es ist dringend erforderlich, dass das Personal in den Erstaufnahmen und Unterkünften für Flüchtlinge grundsätzlich eine Sensibilisierung und Qualifizierung für die besondere Problematik von LSBTFlüchtlingen erhält und auch Kenntnis über Möglichkeiten einer gesonderten und gesicherten Unterbringung von LSBT-Flüchtlingen bei Problemen hat. Alle an der Betreuung von Flüchtlingen Beteiligten, sowohl Krisenstäbe, Mitarbeiter_innen und Ehrenamtler_innen in den Einrichtungen und Ämtern müssen über die Lebenssituation von LSBT auf der Flucht aufgeklärt werden, damit diese nicht willkürlich weitergeleitet werden, obwohl sie bereits Kontakt zu LSBTI*-Gruppen oder Beratungseinrichtungen vor Ort aufgenommen haben.

Informationen / Info-Pool:

Es müssen Konzepte und Plattformen erarbeitet und auf den Weg gebracht werden, welche die vorhandenen Informationen zu Wohnraum, Patenschaften, private Initiativen, Koordination von Ehrenamtsammeln und zur Verfügung stellen.

Mit diesen Maßnahmen werden wir auf die NRW-Landesregierung, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu gehen, damit schnellstmöglich Hilfs- und Unterstützungsangebote zur Verfügung gestellt werden können. Durch unsere Arbeit soll die Diskriminierung und Gewalt gegen LSBT-Flüchtlinge verringert und ein gesellschaftliches Klima der Akzeptanz unserer Lebensweisen gefördert werden.

http://www.lesben-nrw.de