Christopher Street Day – was in US-Großstädten und in Westeuropa zunehmend selbstverständlich oder sogar von den Gesamtbevölkerungen als buntes Spektakel genossen wird, kann in vielen Ländern Osteuropas gar nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden.

EAST/WEST-Sex & Politics, der neueste Film des engagierten „teilnehmenden Beobachters“ der Schwulenbewegung Jochen Hick, dokumentiert den Kampf der russischen Lesben- und Schwulenbewegung, in Moskau eine Gay Pride Parade zu veranstalten. Und damit ihre Rechte auf Versammlungsfreiheit und ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung durchzusetzen.

Moskau befindet sich 16 Jahre nach der Ablösung des Sozialismus auf einer rasanten Fahrt in den Kapitalismus. Dies bedeutet viel Geld, viel Schönheit, viel Prunk, viel Öl, aber wenig Demokratie. Die westliche Perspektive beurteilt den Stand einer Demokratie gern am Umgang einer Bevölkerung mit seinen Minderheiten. Und EAST/WEST gibt Einblick in das Verhältnis der Moskowiter und seiner schwul-lesbischen Bevölkerung, deren Verbotsparagraph 121 bereits 1993 unter Präsident Jelzin abgeschafft wurde.

Nach mehreren Dokumentationen über homosexuelle Lebensstile in den USA und Deutschland findet Jochen Hick in Moskau eine kleine, politische und damit sich öffentlich zeigende Gruppe vor, die um die Austragung einer Gay Parade in Moskau und damit um das ihr per Gesetz zustehende Demonstrationsrecht kämpft. Hick begleitet 2006 und 2007 die politischen Entwicklungen und gewaltvollen Auseinandersetzungen um die Gay Parade und findet skurrile Situationen vor: Unter den schwul-lesbischen Aktivisten in den Straßenkämpfen finden sich viele um Demokratie bemühte Westler, während ihre Gegner religiös und rechtsnational rekrutierte Frauen und Männer sind, die zornig den Schwulen und Lesben vorwerfen, keine Kinder in die Welt zu setzen oder einfach in xenophober Tradition keinerlei Fremdartiges zulassen wollen.

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