Kasha Jacqueline Nabagesera tritt für die Rechte und die Verbesserung der Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuelle (LSBTI) in Uganda ein. Sie setzt sich seit ihrem 21. Lebensjahr für diese Rechte ein. 2003 gründete sie die Organisation „Freedom and Roam Uganda“ (FARUG). Für ihr Engagement zahlt sie einen hohen Preis. Seit sie 2007 auf dem World Social Forum in Nairobi aufgetreten ist und den Respekt vor Menschen, die von der heterosexuellen Norm abweichen, gefordert hat, ist sie zahllosen Angriffen ausgesetzt. Höhepunkt der Verfolgung war 2010 die Veröffentlichung einer Liste von Homosexuellen in einer ugandischen Zeitschrift namens „Rolling Stone“ (die nichts mit der US-amerikanischen Musikzeitschrift gemein hat), die zur Ermordung der Genannten aufforderte. Nachdem sie mit Erfolg gegen diese Veröffentlichung vor Gericht gezogen war, wurde ihr Mitstreiter David Kato Opfer eines Mordanschlages. Seither muss sie ständig ihre Identität und ihren Wohnsitz wechseln.

„Kasha Jacqueline Nabagesera ist eine herausragende Menschenrechtsverteidigerin, eine mutige Frau, eine Frau, an die sich die Geschichte erinnern wird“, stellte Laudator Boris Dittrich fest, Direktor der Abteilung Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen- und Transgender-Rechte bei Human Rights Watch. „In Kasha brennt ein inneres Feuer, sie will Veränderungen herbeiführen. Sie will in einem Land leben, in dem Männer und Frauen gleich behandelt werden und ihre Würde haben und in dem die sexuelle Orientierung nicht gegen die Menschen verwendet wird“, sagte Dittrich. Ihr sei es mit einer Kampagne gelungen, dass ein Anti-Homosexuellen-Gesetz in Uganda bislang nicht verabschiedet wurde. Nach Dittrichs Worten haben auch rechte evangelikale Christen aus den USA Uganda als Betätigungsfeld ausgewählt, „um ihre Hassbotschaften zu verbreiten“. Auch gegen diese Gruppe konnte Nabagesera erfolgreich vorgehen. „Hassprediger aus dem Ausland können jetzt nicht mehr kommen“, stelle Dittrich fest.

Angela Melo, Direktorin der Unesco-Abteilung für Sozial- und Geisteswissenschaften wies darauf hin, dass noch immer in 76 Ländern der Welt diskriminierende Gesetze private, einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen kriminalisieren – „und damit die Menschen der Gefahr von Verhaftung, Strafverfolgung und Gefängnisstrafen“ aussetzen.

Wie Oberbürgermeister Dr. Maly in seiner Begrüßung feststellte, habe die Menschenrechtspreis-Jury „eine mutige und wegweisende“ Entscheidung zugleich getroffen: „Anders als bei Themen wie der Verteidigung der Meinungs- und Pressefreiheit oder der Versöhnungsgesten von Repräsentanten verfeindeter Völker, die uns gerne zum erhobenen Zeigefinger in entfernte Länder verleiten, trifft die Auszeichnung einer Frau, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzt, auch mitten ins Herz unserer Gesellschaft. Dies zeigen nicht zuletzt die vielen, teils hochemotionalen und polarisierenden Reaktionen, die bei mir und im Nürnberger Menschenrechtsbüro eingegangen sind. Nicht erst seit den jüngsten Veröffentlichungen der Europäischen Grundrechteagentur wissen wir, dass Verächtlichmachung, Diskriminierung und Ausgrenzung von homosexuellen Menschen zum europäischen wie bundesrepublikanischen Alltag gehören.“

In ihren Dankesworten verwies Kasha Jacqueline Nabagesera darauf, dass ihre Auszeichnung „eine Botschaft der Ermutigung an alle Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten und Verteidiger der Menschenrechte“ sei. Dabei würden viele lesbische, schwule, bisexuelle und Transgender-Menschen mit Diskriminierung und Gewalt konfrontiert, nicht nur in ihrem Heimatland und in Afrika: „In Mittel- und Osteuropa und in Russland ist eine teilweise ähnliche“ Aggressivität gegen diese Personengruppen zu beobachten, „sogar von den Regierungen selbst“. Und sie stellte auch fest: „Menschenrechte sind kein Geschenk, das einer Gesellschaft gemacht wird. Man muss verstehen, dass es angeborene Rechte sind, die uns als Menschen grundlegend definieren. Erst einmal bin ich Mensch, dann bin ich Lesbe.“

In der Begründung der international besetzten Preis-Jury heißt es unter anderem: „Schwule und Lesben sehen sich in Uganda mit einem Klima des Hasses und der Gewalt konfrontiert, das sich durch alle Gesellschaftsschichten zieht. Immer wieder kommt es zu Übergriffen. Allein den Alltag zu bewältigen ist für sie eine enorme Herausforderung. Wird bekannt, dass eine Person homosexuell ist, verliert sie nicht selten neben ihrer Achtung in der Gesellschaft auch den Job sowie das familiäre und soziale Umfeld. (…) Vor dem Hintergrund der nicht nur in Uganda und Afrika, sondern weltweit verbreiteten Homophobie leistet Frau Kasha Jacqueline Nabagesera mit ihrer Organisation FARUG einen lebenswichtigen, für sie selber lebensgefährlichen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen und zur Entkriminalisierung von Homosexualität hin zu mehr Toleranz.“

Seit 1995 vergibt die Stadt Nürnberg alle zwei Jahre den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis an Personen, die sich zum Teil unter erheblichen persönlichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen. Der Preis ist laut Satzung ein Symbol dafür, dass von Nürnberg, der einstigen Stadt der nationalsozialistischen Reichsparteitage und der menschenverachtenden NS-Rassegesetze, „in Gegenwart und Zukunft nur noch Signale des Friedens und der Völkerverständigung ausgehen“. Inspiriert wurde der Preis auch von der „Straße der Menschenrechte“, die der Künstler Dani Karavan vor 20 Jahren in Nürnberg geschaffen hat.

Die bisherigen Preisträger sind 1995 Sergej Kowaljow (Russland), 1997 Khémaïs Chammari (Tunesien) und Abe J. Nathan (Israel), 1999 Fatimata M’Baye (Mauretanien), 2001 Bischof Samuel Ruíz García (Mexiko), 2003 Teesta Setalvad (Indien) und Ibn Abdur Rehman (Pakistan), 2005 Tamara Chikunova (Usbekistan), 2007 Eugénie Musayidire (Ruanda), 2009 Abdolfattah Soltani (Iran) und 2011 Hollman Morris (Kolumbien). 

Nähere Informationen zum Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg unter www.menschenrechte.nuernberg.de.

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