Nun ist aus den Erzählungen eine faszinierende Autobiografie entstanden, die als exemplarisch für die Pioniergeneration von intellektuellen, engagierten Frauen gelten kann und insbesondere für ZeitgenossInnen, für junge Frauen sowie an der Entstehung des Feminismus Interessierte äußerst spannend sein dürfte.

Im verwunschenen Japan der Fünfzigerjahre als Tochter eines deutschen Pastors aufgewachsen, kommt Monika Jaeckel erst als Zehnjährige ins kleinkarierte Deutschland. Im Mädchengymnasium rebelliert sie gegen den Frontalunterricht, geht nach Frankfurt, studiert bei Adorno und Habermas, kämpft im Häuserkampf, mit Joschka Fischer und Daniel Cohn-Bendit, gegen den Kapitalismus. Sie arbeitet und agitiert fast ein Jahr bei Opel am Fließband, engagiert sich in der Frauenbewegung, wird Sängerin der Flying Lesbians. Später arbeitet sie als Soziologin am Deutschen Jugendinstitut München und wendet sich als Aktionsforscherin schließlich immer stärker den Müttern zu. Hier findet die Kinderlose ihre Lebensaufgabe.

Monika Jaeckel begründet Zentren mit, die Müttern einen sozialen Raum jenseits der eigenen vier Wände schaffen. Daraus entsteht eine Selbsthilfebewegung, Mütterzentrumsbewegung, die ganz Deutschland ergreift und durch unermüdliches internationales Engagement inzwischen auch in Osteuropa, Afrika, Asien und Südamerika Anhänger findet, wo sich neue Zentren gründen. Diese Bewegung initiiert, wissenschaftlich begleitet und politisch protegiert zu haben, ist Monika Jaeckels größter politischer Verdienst.

Im Jahr 2008 ereilt die bekennende Workaholicerin die Diagnose: Krebs, weit fortgeschritten und ohne realistische Heilungschance. Obwohl sie vom nahenden Ende weiß, ist ihr Rückblick so undogmatisch, klug und frech, wie sie immer war – ohne jede falsche Sentimentalität. Der Stil ihrer Erzählung ist luftig und leicht, pendelt mühelos zwischen schnoddriger Polemik und der sensiblen Erkundung der eigenen Persönlichkeit. In Briefen an Freunde und Bekannte berichtet sie schonungslos – von ihrer Angst, ihrer Hoffnung, ihren Schmerzen und schließlich: von ihrem Sterben.

 

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