Natürlich werden sie, aber bis dahin, 620 Seiten später heißt es, Atem anhalten und freiwillig auf Schlaf verzichten. Denn das ist Spannung pur, was einem da in kurzen, plakativen Kapiteln und einem Stil, der etwas von süchtig machenden Geschmacksverstärkern hat, um die Ohren gehauen wird. Ein ungeheuer fesselndes Hin und Her, ein ständiger Szenenwechsel, im Dreieck Deutschland, England und Holland und ein ständiger Wechsel der Perspektive: Psychologen, die mit Täter-Profilen arbeiten, Polizei und Pathologen, lange ohne konkrete Spur, der Psychopath, der auf ganz besondere Weise enttarnt und entlarvt wird. Schon nach wenigen Seiten ist die Fantasie derart beflügelt, dass man den Thriller verfilmt vor Augen hat.
Eine ausgedehnte, mörderisch gute Geschichte, für deren Recherchen sich Val McDermid an Orte einschmuggeln ließ, „wo ich gar nicht hätte sein dürfen“. Vielleicht ist das ihr Erfolgsrezept: engagiertes Recherchieren, Gespräche, Ortsbesichtigungen, intensive Lektionen in Sachen Mord und Totschlag. Derart in die Materie geworfen, muss die Geschichte einfach lebendig sein und: es ist mehr als ein nur konstruierter Thriller. Nicht umsonst sind Val McDermids Romane schließlich auch preisgekrönt.
In Bezug auf die Schauplätze, so gesteht Val McDermid, habe sie sich einige „teuflische Freiheiten geleistet“. Der Leser möge die „lockere Hand im Umgang mit der Realität nachsehen“. Eine charmante Bitte der Autorin, aber: kein Leser wird damit angesichts dieser Spannung ein wirkliches Problem haben! –Barbara Wegmann

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