Sie gibt sich als Miguel aus. Jenny und Mel verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Jenny, die nach der ersten großen Liebe sucht, fühlt sich angezogen von dem Jungen, der so anders ist. Bei einer Familienfeier jedoch präsentiert Mel natürlich nicht Jenny, sondern ihren portugiesischen Arbeitskollegen Nuno (Manuel Cortez, „Verliebt in Berlin“) als ihren Liebhaber, so ist nur eine Frage der Zeit, bis die Sache auffliegt…

Mein Freund aus FaroDrama – 2008 – Deutschland mit Anjorka Strechel, Lucie Hollmann, Manuel Cortez, Florian Panzner, Tilo Prueckner.
Regie Nana Neul, Buch Nana Neul
Produktion Wüste Film West in Zusammenarbeit mit dem WDR
Drehzeit Juli/August 2007
Förderung Filmstiftung NRW
Verleih Alpenrepublik GmbH
Kinostart 30. Oktober 2008

Inhalt:

Die burschikose Mel ist die einzige Frau im Hause Wandel, auch wenn man ihr das nicht ansieht. Mit kurzem Haar und ihre Weiblichkeit unter weiten Klamotten versteckend, fügt sich Mel in die chaotische Männerwirtschaft ihres Vaters Willi und des älteren Bruders Knut wunderbar ein. Die langweiligen Tage als Fließbandarbeiterin in einer Fabrik für Flugzeug-Catering beim nahe gelegenen Flughafen Münster lassen sich aushalten, denn bald schon will sie mit Knut die Welt bereisen. Doch der Traum von der großen Reise rückt in weite Ferne, als Knut eröffnet, dass seine Freundin Vicky schwanger ist.
Dem gut gemeinten Drängen des Bruders, sich endlich auch einmal ernsthaft der Partnersuche zu widmen, entgeht Mel mit der Behauptung, schon einen Freund zu haben. Der neue Arbeitskollege Nuno der aus der portugiesischen Stadt Faro stammt, den Mel dafür bezahlt, bei Knuts Verlobungsfeier ihren Freund zu spielen, macht seine Sache gut. Zu gut. Die Familie ist begeistert von ihm, und lädt ihn ein, öfter vorbei zu kommen. Das lässt sich Nuno nicht zweimal sagen…
Ziellos und niedergeschlagen, auf dem Rücksitz ihres alten BMWs eine Stange von Nunos portugiesischen Zigaretten, macht Mel sich auf einen einsamen Streifzug durch die nächtliche Provinz. Als zwei junge Tramperinnen, Jenny und Bianca, sie für einen Portugiesen halten, ergreift sie die Chance, und erfindet sich neu. Als Miguel verbringt sie eine aufregende Disco-Nacht mit den beiden Mädchen und verliebt sich Hals über Kopf in Jenny.
Nuno, der sich recht wohl in der Rolle von Mels Freund fühlt, dient ihr von nun an als Identitätsgeber und Forschungsobjekt. Jenny ist begeistert vom romantischen Miguel, der so anders ist als die Jungs in ihrer Clique. Unter den argwöhnischen Augen der eifersüchtigen Bianca und ihrem Bruder Bernd, der sich bis jetzt als Jennys Freund gewähnt hatte, entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung.
Doch bevor Mel dazu kommt, Jenny die Wahrheit zu sagen, haben Bernd und Bianca Jennys Mutter gegen den vermeintlichen Portugiesen aufgehetzt. Die Verwirrung ist groß, als diese bei Mels Familie auftaucht und einen Portugiesen der Verführung ihrer minderjährigen Tochter bezichtigt. Nuno wird zum Sündenbock, während Mel es endlich schafft, Jenny ihre wahre Identität zu enthüllen.
Die Nachricht vom unechten Portugiesen spricht sich schnell herum, und Jenny schafft es nicht mehr, ihre Clique von einem finalen Rachefeldzug abzuhalten… 

Back up
Das Spektrum dieser emotionalen Geschichte reicht von Rollenbild, Selbstfindung und Identität bis zu der Suche nach einem selbstbestimmten Leben, nach Freundschaft und nach der große Liebe – ganz egal, wie sehr die eigenen Sehnsüchte und Träume mit den Erwartungen der Umwelt kollidieren.

Was ist das eigentlich, die eigene Identität? Kann man sie überhaupt finden und dann einfach festlegen? Ist sie nicht vielmehr ein mal reißender und mal dahin plätschernder Fluss und somit fortwährend in Bewegung? Mel lässt sich nicht auf eine Rolle festnageln. Und findet sich trotzdem.

Dazu bemerkt Regisseurin Nana Neul: „Ich finde es interessant, Geschichten über Menschen zu erzählen, die sich in ihrem Leben nicht zurechtfinden und die sich in einer anderen Rolle echter fühlen als in ihrem realen Leben.“  „Unsere Sozialisation zwingt uns zu einem endgültigen Urteil. Das führt zur Fahndung nach spezifischen Merkmalen an einer Person, die wir nicht sofort einordnen können.“

„Mein Freund aus Faro“ ist der erste Spielfilm der in Köln lebenden Autorin und Regisseurin Nana Neul. Die Entwicklung des Stoffes begann Nana Neul 2003 in der Drehbuchwerkstatt München. Produziert wurde „Mein Freund aus Faro“ von der renommierten Filmproduktion Wüste Film West. Finanziert wurde die Produktion vom WDR und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen. Drehzeit war im Juli/August 2007.

„Mein Freund aus Faro“ lief unter anderem auf dem Max Ophüls-Festival Saarbrücken (Drehbuchpreis Max Ophüls Preis 2008), International Film Festival Karlovy Vary, Festival des Deutschen Films Mannheim, Internationales Frauenfilmfestival Dortmund/Köln. „Mein Freund aus Faro“ ist zur Nominierung für den Europäischen Filmpreis vorgeschlagen. 

Der im Film erwähnte Autor Fernando Pessoa (1888 – 1935) gilt als bedeutendster Lyriker Portugals und eine der Schlüsselfiguren in der Entwicklung der zeitgenössischen Dichtung überhaupt. Zu seinen Werken gehören „Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares“ und „Antonio Mora: Die Rückkehr der Götter“.

 

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