Der Roman entwickelt einen Sog, dem man sich nicht zu entziehen vermag. Rebekka ist gerade keine typische Opferfigur, sondern es wird erschreckend offensichtlich, wie sehr zwei Seiten an der Aufrechterhaltung eines Systems beteiligt sind. Opfer- und Täterinnenrolle sind letztlich nicht eindeutig zu definieren.
Fesselnd und zugleich beklemmend nachvollziehbar vermag es die Autorin, die zunehmende Isolierung der Ich- Erzählerin Rebekka, ihre Ängste und ihre psychische Verfassung literarisch umzusetzen.

Claudia Rath, vielen bekannt als Autorin lebsischer Science Fiction-Wälzer, hat die (nicht nur lesbische) Community mit einem neuen Text beglückt: mit einem Roman diesmal, der in der Gegenwart angesiedelt ist. Auf den ersten Blick ein weiterer Liebesroman, auf den zweiten die Erzählung der Verquickung dessen, was Liebe zu sein scheint, und handfester Gewalt. Insoferne die Geschichte an der Schnittstelle einer (zweisamen) Beziehung, von Freundinnenschaften und queeren Szene-Zusammenhängen angesiedelt ist, verbindet der Roman, was in den meisten Publikationen getrennt ist: die Auseinandersetzung mit mehreren Lebensbereichen eben, und damit, wie körperliche und seelische Gewalt unter Frauen weitergegeben werden kann.
Nicht nur die Lektüre ist fesselnd, spannend wäre auch, sie auf mögliche eigene Erfahrungen hin zu diskutieren, auf Handlungsfelder zum Beenden von Gewalt, als mögliche Betroffene, Täterin, Freundin der Protagonistinnen. Die Lektüre legt dies nicht nur nahe, weil sie alle diese Perspektiven zu Wort kommen lässt, sondern auch weil sie als realitätsabbildend verstanden werden kann: nicht eine „bessere“ Welt wird entworfen, sondern ein Teil der gegebenen gespiegelt. Zu der auch die Veröffentlichung von Gewalt gehört: als die betroffene Protagonistin das Schweigegebot bricht und die „geheime“ Geschichte erzählt, gelingt es ihr, aus der Gewaltspirale auszusteigen.

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