Hört sich doch gut an? Nun, so einfach ist es nicht. Binnen kürzester Zeit ziehen sich tiefe Gräben durch den Ort. Das Geld stammt aus der Erotikbranche, pfui Teufel! Die Angestellten beim größten Arbeitgeber des Orts würden doch sofort alles hinschmeißen, sagen die einen, und die Existenz des der Pharmafirma Novacrem gefährden. Das geschähe der Eigentümerin nur recht, triumphieren die anderen, es ist ohnehin ein Ausbeuterbetrieb, der ein dunkles Kapitel der Unternehmenshistorie gezielt ausblendet.

Mitten in diesem Szenario steckt Katharina – gefangen zwischen einem für die Hypersensible schier unerträglichen Beruf als Lehrerin und ihrer Liebe zur Musik, die in Süderlenau allerdings keine Butter aufs Brot bringt. Mal abgesehen davon, dass der Ort auch kein gutes Pflaster für die Suche nach einer Herzensdame ist. Da kommt die Großstädterin Amalia ins Spiel …

Beiläufige Light-Lektüre ist Eine Milliarde für Süderlenau nicht, trotz der Spannungsschraube, die Astrid Wenke mitunter kräftig anzieht. Dafür bietet es zu viel Stoff zum Nachdenken. Das Rätsel, wie es jemand schafft, so viele bedeutende ethische Fragen glaubhaft auf zweihundert Seiten unterzukriegen, löst sich beim Studium des Klappentextes: Die Autorin ist als Lebenskundelehrerin Profi in Sachen Weltanschauungsfragen.

Birgit Scheuch lebt und arbeitet als Texterin und Trainerin in Berlin, www.birgit-scheuch.de