Aber selbst wenn sich Sandra Wöhes zweiter Roman auf diese griffige Formel zurechtstutzen ließe, wäre es immer noch ein flott zu lesendes Buch. Hier wird nicht lange darüber diskutiert, ob und wie eine Lesbe zu sein hat in einer heterosexuellen Gesellschaft – so gesehen handelt es sich sogar um einen utopischen Roman, da die gleichgeschlechtliche Orientierung im Landgut Ananke die normalste Sache der Welt ist (so normal, dass eine sich heterosexuell gebärdende Barfrau in Erklärungsnotstand gerät).
Der Inhalt, knapp angerissen:
Die hoch aufgeschossene Inge, von ihrer Lebensgefährtin zärtlich „Giräffchen“ genannt, erzählt: Brigitte hat sie zum Selbsterfahrungskurs ins Landgut Ananke geschleppt. Hier soll die etwas aus dem Ruder laufende Beziehung wieder auf Kurs gebracht werden. Doch ausgerechnet Brigitte lässt sich von Ada bezirzen und verbringt die erste Nacht mit ihr. Inge versteht die Welt nicht mehr, sieht sich umgeben von turtelnden Pärchen und muss sich entscheiden. Erst als Giraffe es tatsächlich schafft, durchs Nadelöhr zu kommen, kann es ein Happy End geben.
Mein Fazit, kurz gefasst
Mir hat „Giraffe im Nadelöhr“ sehr gut gefallen – trotz des Covers, das vielleicht den fröhlichen Erzählstil wiedergibt, aber der Vielschichtigkeit des Romans nicht gerecht werden kann. Der Autorin gelingt es, von Sex und Liebe zu erzählen und beidem seinen Platz zu geben. Eine meist gut gelaunte Schar von Lesben – vom Teenager bis ins Rentenalter – bevölkert die Seiten und erhält klare Konturen. Statt Quotentypen lebendige Frauen, eine klar erzählte Geschichte mit Tiefgang UND Flapsigkeiten.
Neidloser Applaus von Inge Lütt.

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