Was bitte, liebe Spielehersteller_innen sind normale Mädchen? Und inwiefern grenzen sie sich von wagemutigen oder zauberhaften Mädchen ab? Der gewählte Einstieg in das Spiel ist also schon einmal ein Griff ins Klo.

Kommen wir zum Inhalt. Wir haben uns einmal die Mühe gemacht, nein, Mühe ist gelogen, eigentlich sind uns auch bei der Sichtung der Karten jegliche Genderrollen ins Auge gesprungen, dass es uns schon weh tat. Was folgt ist ein Einblick in das Spiel (Achtung Spoileralarm!) Die Lösungen des Spiels befinden sich übrigens immer auf der Rückseite der Karte – nicht undeutlich zu erkennen an dem selbstverständlich erneut gegenderten Handtaschen-Symbol.

Die nach Spielebeschreibung manchmal auftauchenden Jungs spielen dann doch 18-mal eine nicht unerhebliche Rolle. Sie haben ein bezauberndes Lächeln, dass Mädchen sich direkt verlieben, sie gehen fremd, sind Piraten, Verbrecher, mögen die Unterwasserwelt, spielen Fußball, sind handwerklich begabt, es gibt mindestens 3 Prinzen, sogar Justin Bieber lässt die Mädchen im Spiel dahinschmelzen, Mädchen machen sich für die Jungs hübsch, die Jungs beeindrucken die Mädchen…

Mädchen gehen natürlich gerne shoppen, tragen hohe Schuhe in der Disco obwohl es total unbequem ist, sie fragen sich ständig was sie anziehen sollen, die Jeans sitzt nur perfekt wenn sie knall eng sitzt (und ein Ausleihern der Hose ist es natürlich wert, dass Mädchen dann direkt losheulen) und natürlich haben Mädchen auch Körperbildstörungen – Füße sind ja so peinlich. Jule kann nicht nein sagen – wie typisch für ein Mädchen und das nächste Mädchen verliebt sich sofort – in einen Vampir. Die einzige gebotene Alternative zum sonstigen Verlieben in Jungs, dem Anhimmeln von Stars oder der Wunsch die Frau eines Hollywood-Stars zu werden. Das durchgängig gezeichnete Familienkonstrukt im Spiel ist völlig heterozentristisch ausgelegt. Von Regenbogenfamilien oder alleinerziehenden Elternteilen ist nie die Rede. Übrigens! Ganze 8 Prinzessinnen konnten wir in dem Spiel ausfindig machen – diese kommen in ihrer Klischeebelastung nicht besser weg. Mädchen haben natürlich auch Hobbies und Wünsche: Sie backen gern, Schreiben, wollen Jungs kennen lernen, kaufen ein, sind Kindergärtnerinnen oder Erzieherinnen, helfen im Haushalt, schminken sich (ganze 4 mal geht es beim Spiel nur ums Schminken), sie wollen schön sein, sind eitel oder stur, sie reiten gern, machen Yoga oder Eiskunstlaufen.

Jetzt werden sie – liebe Spielemacher_innen – aber sicher protestieren! Aber, aber! Es gibt auch eine (ja richtig, eine!) Frau, die ist gut in Mathe, ein Mädchen möchte Pilotin werden, welcher ja laut Karte ein „Männerberuf“ ist (merken sie es eigentlich selbst?) und ein Mädchen besiegt sogar einen Mann. Na gut er hat nur ein Auge. Ja ok, auch ein Holzbein. Aber eine Muslimin ist richtig gut im Schwimmen! Die muss doch klasse sein! Nur wird aus der Karriere nichts. Sie muss schließlich einen Burkini tragen und schämt sich dafür so sehr, dass sie zum Wettbewerb nicht erscheint. So ist das also als Muslimin. Schlimm. Meinen sie wirklich sie werden dem Auftrag von Vielfaltsdarstellung gerecht und fördern so Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensentwürfen?

Davon abgesehen, dass die Darstellungen der Mädchen, welche von den klischeehaften Rollenzuweisen endlich einmal auch abweichen dürfen, ebenso wieder vollgestopft sind mit Kategorisierungen, verbirgt sich hier weiterhin ein großes Problem: Sie stehen als Einzelfälle da, als Abweichungen von der Norm. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei nicht um die normalen Mädchen, so wie eingangs beschrieben. Es sind wohl eher hier die wagemutigen Mädchen gemeint.

Liebe Mitmenschen: Bitte kauft Mädchen nicht dieses Spiel. Es hilft nicht dabei junge Frauen zu selbstbewussten Menschen zu erziehen, sondern ist nur ein weiteres Instrument, junge Frauen in ihrer Rollenzuweisung gefangen zu halten.

Alle Menschen sind gleichermaßen von Diskriminierungen betroffen. Sie können Opfer von sogenannten -Ismen (bewusste wie unbewusste dogmatische Kategorisierungen von Menschen mit diskriminierender Wirkung, zum Beispiel Rechtsextremismus, Antisemitismus, Sexismus, Rassismus, Nationalismus, Islamophobie, u.v.m.) werden, wenn sie die gesellschaftlich vorstrukturierten Rollenzuweisungen nicht erfüllen. Junge Mädchen sind auf Grund von Heteronormativität und sexuellen Vorurteilen mit besonderen Herausforderungen in ihrer Entwicklung konfrontiert. Diskriminierungserfahrungen werden weniger in Extremsituationen gemacht, sondern passieren dort, wo Jugendliche ihren Alltag leben: In der Schule oder während der Ausbildung, beim Einkaufen, bei der Wohnungssuche, auf Behörden und Ämtern, aber eben auch beim Spielen solcher vermeintlich harmlosen Spiele.

Together krefeld
Treff und Café: Neue Linner Str. 61-36, 47799 Krefeld
Jeden 1., 3. Und 5. Dienstag im Monat (17-22 h) für Mädels
Jeden Freitag (17-22 h) gemischt
Kontakt: krefeld@together-virtuell.de

 

 

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