Diesen Aufstand gegen den brutalen Eingriff in ein glückliches Leben beschreibt auf ungewöhnliche Weise die hannoversche Autorin Marietta Stein in “Plötzlich war der Morgen da“. In dieser Tagebuchchronik des Abschiedsvon ihrer Brustkrebs-kranken Freundin kämpft die Erzählerin einen wildenAufstand gegen den Tod und die von der Umgebung geforderte Demut.  Sie fordert vom Leben und der Medizin Lösungen bis zum letzten Atemzug desgeliebten Menschen ein. Und sie reagiert störrisch fassungslos, weil gleichzeitig Verwandte sowie Freunde so leicht loslassen und kapitulieren.

Es ist das Tagebuch zweier Leben, denen ein kalter Feind allmählich alle Sinne nehmen will. Er bekommt es mit wütendem, kraftraubendem Widerstand aller Art zu tun.  Aber auch Mutlosigkeit und Entsetzen schleicht sich in kleinen Schritten durch den Alltag dieses letzten gemeinsamen Weges in die Kälte.  Das ist zuweilen für den Leser schwer zu ertragen, denn oft drängt sich der Eindruck auf, hier werde sinnlos Kraft in Widerspenstigkeit gegen das Unvermeidliche vergeudet. Man fragt sich zuweilen, ob so viel Kampf nicht auch die Kranke unnötig erschöpft hat.

Trost am Ende
Doch am Ende dieser Chronik bleibt gerade diese kämpferische Beharrlichkeit als Trost für die, die ein ähnliches Schicksal kennen oder erleiden. Die Auflehnung, so ahnt man, wird den Überlebenden eines Tages gut tun.  Dann nämlich, wenn in verzweifelter Stille die Gewissheit entsteht, dass es kein leichter Sieg für den Tod war und die Erinnerung mit allen Sinnen bleibt.

Marietta Stein: Plötzlich war der Morgen da, Fischer Taschenbuch Verlag, 252  Seiten

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