Sie betrieb in den zwanziger und dreissiger Jahren gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin, der aus USA stammenden Autorin Gertrude Stein, in der Rue de l’Odéon einen kleinen Buchladen. Er war Anlaufstelle zahlreicher Künstlerinnen. Aber auch ein (damals noch nicht entdecktes) literarisches Talent wie James Joyce fand den Weg dorthin und erfuhr durch die beiden Ladenbesitzerinnen Förderung. Im ersten Viertel dieses Jahrhunderts war Paris weltweit eine der wenigen Städte, die Frauen abseits von Ehe und gängiger Normen die Möglichkeit bot, sich zu entfalten und ein vergleichsweise freies Leben zu leben. Dazu zählte auch die Freiheit, gleichgeschlechtlichen Beziehungen den Vorzug zu geben. Paris war eine liberale Insel, kein Zufall, dass die schwarzamerikanische Unterhaltungskünstlerin Josephine Baker sich in der französischen Metropole niederließ und hier eine Weltkarriere begann. Oft habe man sich Paris als geheimnisvolle, verführerische Frau vorgestellt, berichtet Andrea Weiss, als Mätresse oder Muse für Generationen männlicher Poeten. Selbstbewusst setzt sie entgegen: „Paris war für ein halbes Jahrhundert eine faszinierende, kreative und kluge Frau.“

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