So wird Ali zur Scheherazade, die in einer einzigen Nacht versucht, schreibend den tragischen Ausgang ihrer Liebesgeschichte, und mehr noch, den Lauf der Welt zu verändern. Sie ruft die großen Liebenden in der abendländischen Kultur als Kronzeugen der eigenen Leidenschaft auf, erzählt noch einmal die Geschichte von Lancelot und Guinevere, von Paolo und Francesca. Mit der poetischen Inbrunst, die Wintersons Sprache auszeichnet, beschwört Ali die eigene und die überlieferten Liebestragödien, um ihnen eine andere, glückliche Wendung zu verleihen, und wird doch jedes Mal vor der Macht der festgeschriebenen Geschichte kapitulieren. Als Liebende muss die Erzählerin diese Enttäuschung hinnehmen, als Schriftstellerin aber macht sie eine beglückende Entdeckung: In der sprachlichen Beschwörung selbst verleiht sie ihrer Liebe Ewigkeit und Gegenwart.
In ihrem neuen Roman vollzieht Jeanette Winterson ein Virtuosenstück, aus der Unverbindlichkeit der Cyberworld fördert sie mit alchimistischer Gabe zu Tage, was Raum, Zeit und Identität überwinden und dadurch Dauer erlangen kann.

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