Später kommen andere Freundinnen hinzu, reden auch auf sie ein, zum Thema zu schreiben. Sie bleibt bei ihrer Ablehnung. Doch während dieser vielen Stunden im Café überschwemmen sie Erinnerungen aus der Zeit danach. Und so erzählt sich das Buch, was sie nicht schreiben will, von selbst, es erzählt von Krankheit, Alltag, Liebe, Lust und Leben aus fünf Jahren.

Sandra Wöhe, als Tochter einer Indonesierin und eines Holländers in den Niederlanden geboren, Ausbildung als Krankenschwester,
lebt in Zürich. Freiberufliche Tätigkeit als Journalistin, Redakteurin und selbstständige Autorin.

Romane u.a. „Giraffe im Nadelöhr“ (erotischer Roman) und „Die indonesischen Schwestern“ (über die Pubertät von drei Mädchen aus Indonesien in einem deutschan Dorf.) 

Leseprobe
Bremsen quietschten. Beate sah zur Straße. Ein alter Fiat wurde in eine viel zu enge Parklücke bugsiert. Knutschkugel haben wir das Modell damals genannt, dachte sie. Kaum Platz drin, höchstens zum Knutschen. Alles andere musste warten. Der erste Kuss, an den ich mich erinnere. Fast vierzig Jahre ist das her.
„Wie lange“, fragte sie Ijana, „ist es bei dir her?“ Behutsam legte Ijana den Toast auf den Teller und rieb ihre Finger an der Serviette. Dann hob sie die Hand. Zwei Finger waren gereckt, das große V stand für Sieg.

„Bist du dir sicher?“ Beate flüsterte fast. Sie sah, wie sich kleine Schweißperlen auf Ijanas Stirn sammelten und wie ihre Finger zitterten. Sah die Schluckbewegung an Ijanas Hals. Dann hörte sie, beinah geflüstert: „Hast du auch so viel vergessen?“
„Ich müsste ganz von vorn anfangen. Und ich weiß nicht mehr, wo das ist.“
Ijana stopfte ihre Serviette unter den Tellerrand.
„Ich vergesse so viel. Ich renne der Erinnerung immer noch hinterher.“
Sie werden vergessen, hat die Onkologin zu Beate gesagt, als Beate sich kaum aufrecht halten konnte und durch ihre Praxis taumelte…